In der Zeit vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert traten vermehrt neue Unternehmen auf den europäischen Markt, die pharmazeutische, kosmetische und andere Waren anboten. Damals meldete ein deutscher Unternehmer, der in Hamburg lebte, die Firma „Beiersdorf“ an. Er konnte nicht einmal ahnen, wie erfolgreich sich sein Projekt erweisen würde. Wir laden Sie ein, die erstaunliche Geschichte des Unternehmers kennenzulernen und mehr über den Ursprung der Marke zu erfahren, die heute weltweite Anerkennung genießt. Mehr dazu auf hamburg1.one.
Gründung des Unternehmens und das erste Produkt
Gründer der Firma „Beiersdorf“ war Paul Carl Beiersdorf. Schon in jungen Jahren zeigte dieser Deutsche eine Vorliebe für Chemie und Biologie. Der junge Mann begeisterte sich früh für die Wissenschaft und experimentierte mit der Herstellung von Heilmitteln, doch die Möglichkeiten dazu waren begrenzt. Nach dem Schulabschluss zog Paul Carl Beiersdorf nach Berlin, um den Beruf des Apothekers zu erlernen. Nach dem Abschluss der örtlichen Hochschule erhielt er die Zulassung zur pharmazeutischen Praxis und die Möglichkeit, sich ernsthaft dem zu widmen, wofür er sich seit seiner Kindheit begeistert hatte.
Eine Zeit lang lebte und praktizierte Beiersdorf in Russland, bevor er nach Deutschland zurückkehrte. Der junge Mann erhielt eine Stelle als Leiter mehrerer großer Apotheken in Berlin. Im Jahr 1879 beschloss Beiersdorf, seine Tätigkeit zu erweitern. Zusammen mit seiner Familie zog er nach Hamburg, wo es ihm gelang, seine eigene Apotheke zu eröffnen. All seine freie Zeit widmete er Experimenten und dem Bestreben, der Menschheit im Kampf gegen verschiedene Krankheiten zu helfen.
Ein besonderes Interesse galt für Beiersdorf der Dermatologie. Er lernte den Gründer der Hamburger Hautklinik, Paul Gerson Unna, kennen. Beiersdorf und Paul Unna bündelten ihre Kräfte und arbeiteten gemeinsam an der Entwicklung neuer Produkte. Im Jahr 1882 erhielt Paul Carl Beiersdorf ein Patent auf seine Erfindung, die bis heute populär geblieben ist. Es handelt sich um ein medizinisches Heftpflaster, das zum Schutz von Wunden vor Bakterien und äußeren Beschädigungen verwendet wird. Beiersdorf war der erste Apotheker, dem es gelang, eine einzigartige Darreichungsform zu schaffen – eine plastische Masse, die bei Hautkontakt leicht erweicht und klebende Eigenschaften besitzt.
Im März 1882 meldete Paul Carl Beiersdorf seine Firma an und gab ihr den Namen „Beiersdorf“. Der Entwickler plante, die Produktion zu erweitern, erwies sich jedoch als nicht bereit, Zeit und Geld in die Vermarktung seines patentierten Produkts zu investieren. Und schon bald bekam das Unternehmen einen neuen Eigentümer.
Das weitere Schicksal des Unternehmens

Im Jahr 1890 verkaufte Paul Carl Beiersdorf sein Unternehmen in Hamburg, und dessen neuer Eigentümer wurde Oscar Troplowitz. Obwohl die Geschichte von „Beiersdorf“ mit dem Erhalt des Patents für die Herstellung von Pflastern beginnt, begann das Unternehmen erst unter dem neuen Eigentümer aktiv zu wachsen und zu expandieren.
Bis 1890 befand sich die Firma in einer Krise, und es schien, als stünde sie vor dem Bankrott. Aber Oscar Troplowitz brachte die Angelegenheiten des Unternehmens schnell in Ordnung. Er widmete der Werbung für das Produkt und dessen rationellem Vertrieb auf dem Markt nicht nur in Hamburg, sondern in ganz Deutschland große Aufmerksamkeit. Das Sortiment der unter der Marke „Beiersdorf“ hergestellten Waren wuchs stetig. Troplowitz erkannte, wie beliebt das Pflaster geworden war. Deshalb begann er, ein verwandtes Warensegment zu erschließen; so wurde beispielsweise die Produktion von Haushaltsklebebändern gestartet. Die Kunden kauften gerne die neuesten Produkte, die in den Katalogen des Unternehmens vorgestellt wurden, das ihr Vertrauen gewonnen hatte.
Der wissenschaftliche Berater von Oscar Troplowitz war Paul Gerson Unna. Ihre Zusammenarbeit ermöglichte es der Firma „Beiersdorf“, ein neues Niveau zu erreichen. Alles begann mit der Entwicklung und der Markteinführung eines Lippenpflegestifts. Die Käufer rissen dieses Produkt förmlich aus den Regalen der Geschäfte und Apotheken. Und die Unternehmensleitung nahm die Entwicklung des Kosmetikbereichs ernsthaft in Angriff.
Erweiterung der Produktion

Oscar Troplowitz sah großes Potenzial in der Entwicklung des Kosmetikbereichs und zog daher berühmte Chemiker, Dermatologen und andere Fachleute des frühen 20. Jahrhunderts zur Zusammenarbeit heran. Er kaufte auch verfügbare Ausrüstungen und sogar ganze Fabriken, um die Produktion zu erweitern. Im Ergebnis gelang es den Spezialisten von „Beiersdorf“, einen einzigartigen Emulgator zu erfinden. Oscar Troplowitz erkannte sofort, dass dies genau die Entdeckung war, die seinem Unternehmen helfen würde, sich auf dem Pharma- und Kosmetikmarkt zu etablieren.
Der Emulgator war eine Mischung, die dem Produkt beim Mischen von Fetten und Wasser zugesetzt wurde. Das Ergebnis war ein Mittel von cremiger Konsistenz, das sich hervorragend zum Auftragen auf die Haut eignete. Die Experimente wurden abgeschlossen, und Troplowitz genehmigte das Endergebnis. Es war ein Produkt, das, kaum im Handel erschienen, die Aufmerksamkeit von Tausenden von Frauen in Deutschland auf sich zog. Die Creme erhielt den Namen „Nivea“.

Die Creme war für das Auftragen auf die Haut der Hände bestimmt. Das Produkt zeichnete sich durch eine ansprechende weiße Farbe und einen angenehmen Geruch aus. Aber der Hauptvorteil der Creme war ihre Wirksamkeit. Der Hersteller deklarierte die feuchtigkeitsspendenden und belebenden Eigenschaften des Produkts, und die Kunden waren mit dem Ergebnis seiner Anwendung zufrieden. In den folgenden Jahren wurde unter der Marke „Nivea“ eine ganze Reihe von Pflegeprodukten herausgebracht. Interessanterweise sind die Hauptbestandteile der Creme bis heute unverändert geblieben. Somit erwies sich die vor über hundert Jahren erfundene Produktformel als makellos.
Erfolgreiches Marketing – das Erfolgsgeheimnis
Heutzutage werden „Nivea“-Pflegeprodukte in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt verkauft. Bei der Firma „Beiersdorf“ wechselten die Führungskräfte und Mitarbeiter, aber die Produktion expandiert von Jahr zu Jahr. Nach Ansicht von Experten liegt das Hauptgeheimnis des Unternehmenserfolgs im richtigen Marketing, und dies wurde bereits zu der Zeit offensichtlich, als Oscar Troplowitz die Firma leitete.
Als die „Nivea“-Creme in den 1910er Jahren in den Regalen der Geschäfte und Apotheken der Großstädte erschien, hob sie sich vorteilhaft von ähnlichen Produkten der Konkurrenzfirmen ab. Die Dosen waren praktisch, bequem in der Anwendung und im damals angesagten Jugendstil gestaltet. Die Führungskräfte von „Beiersdorf“ sparten nicht an der Einbeziehung von Spezialisten, die an der Entwicklung von Verpackung und Design arbeiteten.
Eine wichtige Rolle spielte auch die Werbung. Im 20. Jahrhundert änderten sich die Vorstellungen von Schönheit und Mode rasant. Anfangs tauchten in der „Nivea“-Werbung zierliche Mädchen mit blassen Gesichtern auf. Doch in dem Maße, wie sich das Schönheitsideal wandelte, änderte sich auch das Image der Unternehmensprodukte. Übrigens waren die Dosen mit „Nivea“-Produkten anfangs bunt und auffällig. Aber in den 1930er Jahren wurde ihr Design zurückhaltend – weiße Buchstaben auf blauem Grund. Die Kombination dieser beiden Farbtöne erwies sich als erfolgreich, und sie gelten bis heute als die Markenzeichenfarben.

Die Marketingstrategie von „Beiersdorf“ bestand zudem in der aktiven Interaktion mit den Kunden. Das Unternehmen war eines der ersten auf dem deutschen Markt, das Wettbewerbe durchführte, deren Gewinner die Möglichkeit erhielten, das nächste „Gesicht“ der Marke zu werden. Es gab immer viele, die an den Wettbewerben der erfolgreichen Marke teilnehmen wollten, die bereits in ganz Europa bekannt war.
Heute gehört „Beiersdorf“ zu den 30 größten deutschen Aktiengesellschaften und beschäftigt über 20.000 Mitarbeiter. Ihr Hauptsitz befindet sich nach wie vor in Hamburg, doch die Produktion hat sich längst über die Grenzen der Stadt an der Elbe hinaus erweitert. Höchstwahrscheinlich konnte ihr Gründer, Paul Carl Beiersdorf, als er am Rande des Bankrotts stand und beschloss, die Firma zu verkaufen, nicht einmal ahnen, in welch fähige Hände sein Projekt geraten würde.

